Saudi Arabian zu Zeiten des Ramadan

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Meine erste Reise in eine Region der Welt, die für mich total unbekannt ist und sehr faszinierend wirkt. Im Rahmen meiner Arbeit war ich zu einem Besuch in Jeddah am Roten Meer zu Gast.

Ich muss gleich zu Beginn zugeben, dass ich keinerlei Erfahrung mit dem Nahen Osten, mit den Menschen und Ihrer Religion habe und mich in vielen Bereichen gewundert habe. Schon auf dem Hinflug war mindestens ein Drittel der Reisenden schon im Pilgergewand gekleidet. Die Teilnehmer der Umrah, der kleinen Pilgerfahrt nach Mekka zur Zeit des Fastmonats Ramadan, waren auch schon in Pilgerkleidung, die auf einen unwissenden Europäer wie eine Mischung aus großer Tischdecke und Frotteehandtuch wirkte.

Blick über Jeddah
Blick über Jeddah

Auch im Flugzeug wurden die Gebetszeiten und Fastenregeln eingehalten. Jeder verfügbare Platz wurde genutzt. Gegen 19 Uhr (Sonnenuntergang in Jeddah) entbrannte eine heftige Diskussion, ob man nun schon mit dem Essen beginnen dürfe, denn aus dem Flugzeug sehe man die Sonne ja noch. Der Streit konnte nur durch ein Machtwort des Piloten entschieden werden, der verkündete, dass es in Jeddah bereits dunkel sei, aber man in 10000 m Höhe die Sonne noch sehe. Kurz darauf wurde überall das Essen ausgepackt.

Der Flughafen verlangte viel Geduld, obwohl wir ein Visum hatten, wurden von uns die Fingerabdrücke genommen und noch ein weiteres Foto gemacht. Beim Verlassen des Flugzeugs hatten wir noch die Hoffnung vielleicht im Wärmestrahl der Triebwerke zu stehen, mussten dann jedoch schnell feststellen, dass es einfach wirklich noch so warm war (Tagestemperatur 45°C, Nachts 35°C).

Moschee und Hotel
Moschee und Hotel

Unser Hotel war wie alle öffentlichen/großen Gebäude mit Betonstraßensperren gesichert. Es gab mehrere Maschinengewehrstellungen, die für Sicherheit sorgten. Bei der Ankunft wurde das Auto auf Sprengstoff durchsucht. Wären wir zurückgefahren, wären unsere Reifen aufgeschlitzte wurden.

In den nächsten Tagen verbrachten wir viel Zeit in klimatisierten Räumen. Die kurzen Wege, von einem klimatisierten Bereich zum nächsten, waren heiß. Die Besprechungsräume des Kunden waren nur wenige hundert Meter entfernt, aber aufgrund der hohen Temperaturen, stand für uns immer ein Fahrer bereit. Im Ramadan gelten Tagsüber besonders strenge Fastenregeln. Es darf weder etwas gegessen noch getrunken werden. Frühstück durften sich nicht muslimische Ausländer aufs Zimmer liefern lassen, wo niemand sah, dass nach Sonnenaufgang gegessen wurde. Zur Mittagszeit mussten wir uns in einem Zimmer einschließen, wenn wir etwas trinken wollten.

Das tägliche Leben wird durch fünf Gebetszeiten von jeweils einer halben Stunde unterbrochen. Tagsüber haben die meisten Geschäfte geschlossen. Abendessen ist kaum vor 21 Uhr möglich. Im Ramadan verlagert sich das ganze Leben in die Nacht, was dazu führt, dass die Leute von Woche zu Woche müder und erschöpfter sind. Die Woche beginnt am Samstag und endet am Mittwoch. Donnerstag und Freitag ist nach dem islamischen Kalender Wochenende.

Traditionelle Balkons in der Altstadt von Jeddah
Traditionelle Balkons in der Altstadt von Jeddah
Traditionelle Balkons in der Altstadt von Jeddah
Traditionelle Balkons in der Altstadt von Jeddah

Das Essen in Saudi Arabien ist sehr lecker. Nationalsport sind Buffets. In der Mitte des Raums gibt es eine große Küche, wo jeder reinschauen kann. Man geht mit einem Kellner um die Küche herum und sagt, was man gern Essen möchte. Das Essen wird dann frisch zubereitet und an den Tisch gebracht. Es gibt viele Reis-, Fisch- und Fleischgerichte in Kombination mit verschiedenen Fladenbroten, Salaten und leckeren Dips, z.B. aus Kichererbsen. Lecker!

Natürlich konnte ich mich nicht zurückhalten meine Umgebung etwas zu erkunden. Tourismus und Sehenswürdigkeiten sind in Saudi Arabien aber nicht bekannt. Ausländer dürfen nur zur Arbeit oder Pilgerfahrt einreisen. Fragt man einen Einheimischen nach Sehenswürdigkeiten, dann werden an erster Stelle die zahlreichen Shopping Malls angeführt. Eine Stunde vor Sonnenuntergang habe mich auf gemacht meine Umgebung zu erkunden. Schon nach wenigen Schritten war ich komplett schweißgebaden. Die Straßen waren von hohen Mauern begrenzt. Das Dahinter blieb verborgen. Fußwege gab es selten. Immer wieder hupten Taxis, die nicht verstehen konnten einen Fußgänger zu finden und auf Kundschaft hofften. Das Stadtbild war von zahlreichen Einkaufszentren zwischen engen Häusern geprägt. Prächtig herausgeputzte Moscheen gab es viele. Zur Gebetszeit war der Muhezin vom Minarett unüberhörbar.

Meine erste Reise nach Saudi Arabien war sehr interessant und macht neugierig auf mehr. Das Leben ist so anders. Auf der einen Seite ist das Leben sehr traditionell geprägt - auf der anderen Seite gibt es modernste Technik. Ich freue mich darauf mehr zu sehen ... wenn es nicht mehr so warm ist.

Stand: 05.11.2011, 31.03.2020 | Text + Bilder: Camillo | v7
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